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Ihr Partner hört Ihr „Nein“ nicht? – Es gibt zwei Sorten von Neins

Es tut weh und frustriert, wenn der Partner ein Nein überhört, abtut oder sich etwa darüber beschwert. Wem das öfter passiert, der kriegt das Gefühl, dass die eigenen Bedürfnisse in der Beziehung nicht zählen. Er baut Groll auf oder resigniert und nimmt sich immer mehr zurück. Klar, dass so eine Beziehung in Schieflage kommt und es als Paar schwierig wird.

Aber haben Sie schon einmal daran gedacht, dass die Dinge auch anders zusammenhängen könnten? Ansonsten müssten Sie ja annehmen, dass Sie mit einem Egoisten zusammen sind. - Tatsächlich wird ein Nein oft deshalb vom Partner „überhört“ oder abgetan, weil der andere die Grenze als solche gar nicht erkennt. Und daran stricken Sie selbst mit!

Ein und dasselbe Nein kann zwei unterschiedliche Aussagen haben


Immer dann, wenn man sich vom Partner dauerhaft schlecht behandelt fühlt, aber im Grunde davon überzeugt ist, dass er es gut mit einem meint, sollte man hellwach werden! Wir alle wissen schließlich, wie schnell Missverständnisse entstehen.

Haben Sie sich schon einmal daraufhin überprüft, wie eindeutig Sie ein Nein rüberbringen? Ein Nein kann nämlich ganz unterschiedlich wirken.

Es ist dabei wichtig zu wissen, dass es zwei unterschiedliche Kategorien von Neins gibt:

  1. Das bedingte Nein: „Nein, unter diesen Umständen/Bedingungen nicht“

= Aus diesem Nein wird vielleicht doch noch ein Ja, falls bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Ein Beispiel: „Nein, ich kann deine Sachen heute nicht aus der Reinigung abholen. Wir haben nichts mehr zu trinken im Haus. Ich muss nach der Arbeit noch schnell zum Getränkemarkt, bevor ich die Kinder vom Sport abhole.“ Bietet der Partner daraufhin an, dass er eine oder beide der Aufgaben übernimmt, gewinnt man Luft und ist womöglich doch bereit, zur Reinigung zu fahren.

  1. Das totale Nein: Nein heißt Nein!

= Ich lehne das ab/will das nicht. Es gibt keinerlei Verhandlungsspielraum.

Ein Beispiel: „Nein, ich kann in dieser Zeit keinen Urlaub nehmen. Wir haben da eine Betriebsprüfung, bei der ich dabei sein muss.“ Die Erklärung für die Absage an den Partner dient hier ausschließlich dazu, sich mit seinem Nein dem anderen zu erklären, sodass dieser die Entscheidung verstehen kann.

Senden und Empfangen – entscheidend, um das Nein richtig einzuordnen


Wenn zwei miteinander reden, wird viel „gemeint“:

Zum einen ist da der Sender. Als Sender haben Sie den Job, Ihre Botschaft so eindeutig wie möglich zu formulieren.

Klingt einfach, doch genau hier liegt ein Riesenknackpunkt. Denn für wen glasklar ist, was er meint, der geht oft davon aus, dass die Dinge für den anderen genauso offensichtlich sind. Das ist aber selten der Fall! Gemeinerweise läuft solch eine Fehlannahme meistens unbewusst in uns ab. Gemein deshalb, weil sie letztlich über die Art und Weise, wie wir uns ausdrücken, bestimmt. Wer davon ausgeht, dass die Dinge für den anderen klar sind, der bemüht sich natürlich weniger um eine unmissverständliche Aussage, als jemand der erwartet, dass der andere überhaupt nicht weiß, wie man die Dinge sieht.

Wo der Schwerpunkt eines Neins für Sie als Sender liegt, kann der Empfänger aber nur dann erkennen, wenn Sie eindeutig formulieren, ob es sich um ein „Wenn-diese-Hindernisse-beseitigt-sind-könnte-sich-meine-Position-verändern“ oder um ein „Damit-du-meine-Position-besser-verstehst“ handelt.

Sie sehen: Damit die Chancen so groß wie möglich sind, richtig verstanden zu werden, ist die Eindeutigkeit Ihres Neins enorm wichtig. Also von außen erkennen zu können, zu welcher Kategorie das Nein gehört – ist es ein bedingtes oder totales Nein?


Allerdings gibt´s da noch eine weitere mögliche Hürde:

Den Empfänger. Wie Ihre Aussage letztlich beim Empfänger ankommt, darüber entscheidet einzig und allein seine Interpretation (= Was er gehört hat, nicht was Sie meinen, rübergebracht zu haben.). Und diese Deutung des Neins ist es, auf die er dann schließlich antwortet.

Neben der Eindeutigkeit Ihrer Aussage stricken weitere Faktoren an seiner Deutung mit. Und die haben mit Ihnen als Sender überhaupt nichts zu tun. Auf diese Faktoren haben Sie also auch keinen Einfluss:

  • Da ist zum einen der eigene Umgang des Empfängers mit einem Nein. Hier schließen viele von sich auf andere. Wer beispielsweise problemlos ein Nein vertreten kann, geht davon aus, dass andere das auch tun. Er vermutet erstmal keinerlei Diplomatie oder Vorsicht in den Äußerungen des Senders.

  • Ein zweiter Deutungsfilter entsteht durch das, was man sich als Empfänger erhofft. Vielleicht sogar ohne es zu bemerken, neigt man dazu eine uneindeutige Äußerung in die erhoffte Richtung zu interpretieren. Kommt kein Protest, ist das eine Bestätigung.

Selbst-Check: Wie gut bin ich darin deutlich zu machen, um welches Nein es sich handelt?


In der Theorie klingt das alles sehr logisch und eindeutig. Das Übergehen Ihres Neins durch den Partner ist also vermutlich keine böse Absicht, sondern ein Deutungsfehler an dem Sie mitstricken. Menschen denen es schwer fällt, dem Partner eine Grenze aufzuzeigen, neigen nämlich oftmals dazu, ihr Nein etwas gefälliger daherkommen zu lassen und versehen es mit Erklärungen. Viele kriegen auch schnell das Gefühl, sich für ihr Nein rechtfertigen zu müssen und hüllen es in eine Entschuldigung ein. Und wie wir gesehen haben, erhöht solch ein Verhalten das Risiko, falsch verstanden zu werden.


Hand auf´s Herz: Wie gut sind Sie im Nein-verteilen? Also wie deutlich vertreten Sie Ihr Nein? Prüfen Sie sich doch gleich einmal!


Vier Schritte sind nötig, um klar und deutlich Nein sagen zu können. Nutzen Sie diesen Schnell-Check für eine kleine Analyse, wie Sie es generell halten, und auch, um eine aktuelle Situation nachzubereiten. Dadurch werden Sie für blinde Flecken sensibel – die eigenen oder die des Partners - und können immer besser für sich eintreten.

  1. Haben Sie Ihre Position innerlich klar?

Wer Nein sagt, vertritt eine Position. Meistens geht es dabei um Bedürfnisse: Was will ich? Was brauche ich? Was kann ich leisten?

Wie gut kennen Sie Ihre Meinung, Ihre Position innerlich, bevor Sie mit dem Partner sprechen:

Meistens habe ich nur so eine vage Position, die ich nicht klar benennen kann.

Es kommt auf das Thema an.

In der Regel kenne ich meine Position gut.

 

  1. Sind Sie bereit für sich einzutreten?

Nur weil man seinen Standpunkt kennt, bedeutet es nicht unbedingt, dass man dafür auch standhaft eintreten will. Wer sich für seine Position einsetzt, der bekommt vom Partner auch mal Gegenwind, Ärger oder Enttäuschung zu spüren. Dem muss man sich stellen, wenn man auf seiner Position beharrt oder sie durchsetzen möchte:

Ich scheue mich total vor einer Auseinandersetzung.

Es kommt auf meine Tagesverfassung an, ob ich mich einer Auseinandersetzung stelle.

Ich bin bereit, mich mit allen Folgen einer Auseinandersetzung zu stellen.

 

  1. Sind Sie aufmerksam dafür, wie die Botschaft beim Partner ankommt?

Wie wir gesehen haben, kann ein Nein falsch interpretiert werden. Wie gut sind Sie darin, mitzukriegen, ob Ihre Äußerung beim anderen so angekommen ist, wie Sie es meinten? Achten Sie nicht nur auf die Worte, sondern auch auf zusätzliche Informationen wie Mimik, Körperhaltung und Klang der Stimme?

Meistens bin ich so mit mir beschäftigt, dass ich vom Partner nichts mitkriege. Oftmals erinnere ich sogar die Antwort im Nachhinein nicht mehr.

Eigentlich beachte ich nur, was er zu meinem Nein sagt.

Ich achte aufmerksam auf die gesamte Reaktion.

 

  1. Trauen Sie sich anzusprechen, wenn Sie über die Reaktion Ihres Partners irritiert sind?

Wie handeln Sie, wenn die Reaktion Ihres Partners Sie irritiert? Beispielsweise, weil Ihr Partner Ihr Nein zu ignorieren oder wegzureden scheint:

Ich schiebe meine Irritation zur Seite. Manchmal versuche ich, mir die Reaktion selbst zu erklären.

Ich mache öfter einen Anlauf die Dinge zu klären, scheitere aber fast immer.

Ich spreche Irritationen meistens an und lasse so lange nicht locker bis die Sache geklärt ist.


In welche der drei Spalten haben Sie sich überwiegend einsortiert? Wenn Sie sich meistens in der ersten Spalte wiedergefunden haben, wird Ihr Nein für den Partner nicht gut zu erkennen sein. Ein Spalten-Antworten-Mix gibt Ihnen Hinweise und Ansatzpunkte, an welchem Aspekt Sie gezielt arbeiten können, um ein Nein noch eindeutiger rüberzubringen.

Ihr nächstes Nein kommt bestimmt. Wenn Sie dann diesen Vierer-Schritt im Kopf haben – ganz unabhängig davon, wie gut Ihnen die Umsetzung gelingt – ist Ihr blinder Fleck in dem Moment schon ein wenig geschrumpft.

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Von Petra Nordhaus - Als Beziehungscoach & Paartherapeutin helfe ich Menschen, in Liebesdingen klarer zu sehen